Donnerstag, 14. August 2014

Ein Neuanfang und die Suche nach Zufriedenheit


Wer einen Blog schreibt, wird sich darüber Gedanken machen, wie viel Persönliches er über sich in der Öffentlichkeit preisgeben möchte. Nicht alles geht jeden etwas an. Aber es gibt da etwas, das mir aktuell keine Ruhe lässt. Über Gefühle reden, ist nicht so meins, aber schreiben, das geht. Wahrscheinlich wird es eh niemand lesen. Na ja und wenn doch, ist da immer noch die Hoffnung, dass da draußen jemand ist, der mich versteht.

Erwartungen erfüllen

In meiner Familie war ich immer, und bin ich immer noch, bekannt, als "die Vernünftige". Ich mache das, was richtig ist. Ich wurde so erzogen, dass ich darauf achte, einen guten Eindruck zu machen. Mich so zu verhalten, wie man es von mir erwartet. Und das habe ich eigentlich auch immer. Ich finde das auch grundsätzlich nicht so schlimm. Es scheint spießig, aber ich bin gerne unauffällig und genügsam. Ich glaube nicht, dass Geld und Erfolg mein Sinn des Lebens sind. Aber selbstverständlich macht Geld das Leben etwas leichter. Ich glaube auch nicht, dass man immerzu glücklich sein muss. Ich denke aber, dass Zufriedenheit ganz wichtig ist. Ich glaube, man muss sein Leben so leben, dass man am Ende sagen kann "Wenn ich noch mal die Chance hätte, ich würde es wieder so machen." Im Leben steht man ständig vor Entscheidungen, von unwichtigen bis zu lebensverändernden. Und Menschen machen Fehler. Das gehört dazu. Wie sehr bin ich Sprüche leid, wie "Wenn ich du wäre, würde ich..." und "Ich hab's dir doch gesagt!" oder "Andere machen das doch auch so...". Aber am Ende ist es mein Leben. Ich bin dafür verantwortlich, was ich tue. Wenn ich unzufrieden bin, dann muss ich an meinem Leben etwas ändern, damit ich zufriedener werde. Leider gibt es immer Meckerer und Neider, die ihre eigene Unzufriedenheit nicht ertragen und es dann an anderen auslassen.

Der Blick zurück

Vor ein paar Wochen hab ich meinen Job verloren. Ich wurde betriebsbedingt gekündigt. Vor zwei Monaten habe ich zum letzten Mal im Büro gearbeitet, dann zwei Wochen Urlaub, seit dem bin ich Zuhause. Ich war mit meinem Job im Grunde zufrieden, dachte ich zumindest immer. Das Unternehmen, in dem ich arbeitete, war nicht in meiner Traumbranche tätig, aber ich habe meinen Job gern gemacht und ich hatte ganz wunderbare Kollegen, mit denen das zusammenarbeiten eine echte Freude war. Ich habe mich immer über die Maßen engagiert und natürlich Überstunden gemacht. Auch am Wochenende, an Feiertagen und im Urlaub. Es blieb selten bei der 40 Stunden-Woche. Meine Familie fand das nicht so toll. Sie machten sich Sorgen um mich, dass ich mich überarbeite. Und für diesen Einsatz sei mein Gehalt nicht gerechtfertigt. Mag sein, dass sie damit Recht hatte. Ich hatte mich selbst und meine Freunde vernachlässigt. Abends war ich immer müde und habe nichts mehr unternommen und am Wochenende wollte ich mich erholen. Obwohl ich bis zum Abi sehr sportlich war, habe ich seit dem Studium keinen Sport mehr gemacht. Mein Körper dankt mir den "Stress" und die mangelnde Bewegung mit seit Jahren immer stärker werdenden Migräneattacken. Am Ende des Studiums hatte ich mich so sehr darauf gefreut, zu arbeiten, denn ich hatte angenommen, dass ich meine Feierabende und meine Freizeit genießen kann, weil ich ja nicht mehr in jeder Minute lernen muss. Leider hat mich mein Job nur selten losgelassen. Ich habe Zuhause und unterwegs ständig an die Arbeit gedacht. Immer das Gefühl gehabt, dass ich noch mehr leisten muss. Gedankt hat es mir am Ende keiner. Dabei ging es mir nie darum, die große Karriere zu machen. Ich wollte einfach nur genug Geld verdienen, um gut zu leben. Aber Geld ist nicht alles und wirklich zufrieden war ich, ganz ehrlich, eher nicht. Zeit für einen Neuanfang.

Wie soll es weitergehen? 

Ginge es danach, was man von mir erwartet, müsste ich mir wieder eine 40-Stunden-Stelle suchen, in dem ich noch besser als beim letzten Job verdiene, die Karriereleiter weiter raufklettern. Aber das möchte ich nicht. Ich glaube, dass meine Kündigung ein Zeichen war, um in meinem Leben etwas zu verändern. Neue Wege zu gehen. Zu mehr Zufriedenheit.
Ich hatte mir in den letzten Jahren schon öfter Gedanken dazu gemacht, mich nebenbei selbstständig zu machen. Aber es fehlte einfach die Zeit. So gerne wollte ich Sachen basteln und nähen und bei DaWanda verkaufen. Das man davon (in der Regel) nicht leben kann, war mir immer klar. Aber das Handwerkliche ist einfach so ein guter Ausgleich zum Büroalltag.
Jetzt wo ich arbeitslos geworden bin, ist ein alter Traum von mir wieder zu Tage gekommen. Ich habe mir immer gewünscht, dass ich mal einen kleinen Laden habe, mit Schreibwaren, Bastelzeug, Geschenkartikeln und Büchern. Ich habe mich also in den letzten Wochen mit der Idee auseinandergesetzt einen eigenen Online-Shop zu betreiben, mit späterer Option auf ein Ladengeschäft. Habe mich über alles was Existenzgründung betrifft informiert und aktuell mache ich sogar ein Coaching um herauszufinden, welche meiner Ideen ich wie umsetzen könnte. Meine Idee, mich selbstständig zu machen, traf in meiner Umgebung nur auf wenig Gegenliebe. Die meisten dachten wohl, das sei nur eine fixe Idee von mir. Am Ende habe ich einfach nicht mehr so viele Infos preisgegeben. Eigentlich sollten die, die mich kennen wissen, dass ich die letzte bin, die unüberlegt und überstürzt handelt. So ein Schritt muss sehr gut durchdacht sein. Vor allem wenn man das hauptberuflich machen will. Also muss man einen Businessplan inklusive Finanzplan erarbeiten. Irgendwie muss die Krankenversicherung, die Arbeitslosenversicherung und die Rentenversicherung bezahlt werden. Und dann hat man ja auch noch private Fixkosten, Ausgaben für das Handy oder die Zahnzusatzversicherung und man möchte vielleicht ein Mal im Jahr in den Urlaub fahren. Sich ab und zu mal ein Buch kaufen oder ein paar neue Klamotten. Die Katzen brauchen Futter und Behandlungen beim Tierarzt. Wenn man nicht gerade eine Hammeridee hat, die sich schnell bezahlt macht, muss man als Selbstständiger viel arbeiten, bis die Rechnung aufgeht. Die Berechnungen für den Finanzplan sind ein Grund, warum ich Zweifel daran bekommen habe, mich hauptberuflich selbstständig zu machen. Aber das Leben ist nicht immer nur schwarz und weiß. Es gibt Grauzonen. Warum also nicht ein Kompromiss? Statt vollberuflich selbstständig zu sein oder einen 40 Stunden-Job bei irgendeiner Firma aufzunehmen, hinter der man nicht steht, könnte man eine halbe Stelle annehmen, durch die man finanziell abgesichert ist und den Rest der Zeit dazu nutzen, sich nebenberuflich selbstständig zu machen.  

1:0 für das Schicksal

Tatsächlich ist das Glück aktuell auf meiner Seite. Bald kann ich mir nämlich noch einen zweiten neben den schon genannten Traum verwirklichen. Nach dem Studium wollte ich beruflich eigentlich in Richtung Buchhandels- und Verlagswesen gehen. Aber über einen Werkstudentenjob und die daran anknüpfende Festanstellung kam es schließlich anders. Nun werde ich bald die Möglichkeit haben, im Buchhandel Fuß zu fassen. Und ich freu mich wie Bolle. Ich werde eine Halbtagsstelle annehmen, in einem Bereich, der mich wahnsinnig interessiert und in einer Firma, bei der ich glaube, dass mein Einsatz wertgeschätzt werden wird. Und dann bleibt immer noch genug Zeit, um mich nebenberuflich selbstständig zu machen. Ganz ohne Risiko. Ich glaube, dass das die perfekte Lösung für mich ist. Mein Bedürfnis nach Sicherheit ist gestillt und trotzdem, kann ich machen, was mir Spaß macht. Aber auch hier gibt es immer noch Meckerer und Zweifler. Ja, es stimmt, ich werde nicht mehr so viel verdienen wie bisher. Und ja, ich verdiene bei meinen 20 Stunden sogar weniger, als ich im Moment Arbeitslosengeld erhalte. Zuhause fällt mir aber langsam die Decke auf den Kopf. Wenn ich mich als Einzelunternehmerin hauptberuflich selbstständig machen würde, dann wäre ich den ganzen Tag allein mit mir. Aber so gerne ich allein bin und meine Ruhe habe. Ich brauche einen Grund, um morgens aus den Federn zu kommen und ich freu mich darauf, wieder jeden Tag aus dem Haus zu gehen. Die letzten zwei Monate sind wie im Flug vergangen. Die meiste Zeit war ich in unseren vier Wänden. Es war schön, so allein mit den Katzen. Ich konnte viel nähen und kreativ sein, aber, und ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sage, ich vermisse es zu smalltalken. Und was das Geld betrifft. Ich bin in der glücklichen Situation, dass ich mit meinem Herzmann zusammenzuwohne und nicht mehr so viel Geld brauche wie früher, um über die Runden zu kommen. Geteiltes Leid, halbes Leid. Geteiltes Glück, doppeltes Glück. Der Herzmann unterstützt mich, bei allem was ich tue, solange ich zufrieden mit meiner Entscheidung bin, ist er es auch. Und dafür liebe ich ihn!

Ich muss leben, wie ICH es für richtig halte.

Ich habe also jetzt die einmalige Chance, zu tun, was mich glücklich und zufrieden macht. Aber immer noch keimen Stimmen des Zweifels auf. Darf ich mir diesen Weg leisten? Einen Weg, der von der Norm abweicht, aber mich, so hoffe ich, zu mehr Zufriedenheit im Alltag führt?
Ja, ich glaube ich darf das. Vielleicht muss ich es sogar. Denn egal, was ich mache, ich werde es nie allen recht machen. Es gibt immer einen, der etwas auszusetzen hat. Ist ja auch typisch Deutsch, das Meckern. Der Volkssport der Deutschen, das Bärmeln auf hohem Niveau. Wenn man einen 40 Stunden-Job macht, in dem Überstunden erwartet werden, vernachlässigt man sich selbst. Wenn man sich selbstständig macht, ist das zu riskant. Wenn man halbtags arbeitet, nutzt man nicht sein ganzes Potential. Und ein Thema, dass mich auch immer wieder beschäftigt, wenn man in Deutschland mit Anfang 20 Kinder kriegt und heiratet wird man schief angesehen, wenn man wartet bis man 40 ist, genauso. Ich habe es satt die Erwartungen anderer zu erfüllen und möchte so leben, wie ich es mit meinem persönlichen Gewissen vereinbaren kann. Ob meine Entscheidung nun wirklich richtig ist, ich weiß es nicht. Aber ich hoffe es. Ich versuche auf meine innere Stimme zu hören. Ich muss herausfinden, was mich zufrieden macht. Aber es ist nicht leicht, wenn man immer das getan hat, was von einem erwartet wird.

Kommentare :

  1. Liebe Maria,

    jetzt wollte ich nur mal eben schnell deine Blogadresse kopieren, um mich schon einmal eine kleine Teilnehmerliste für den Stoffkartentausch anzulegen und war nach 2 Zeilen an deinen Beitrag gefesselt. Ich kann deine Sichtweise zu 100% unterschreiben!

    Ich denke aber, dass wir uns auch oft genug einfach selbst im Weg stehen und es daher nicht wagen, zur Normalität gewordene Gewohnheiten zu brechen und andere, vieleicht ungewisse Wege einzuschlagen. Aber wie du siehst ist ein sicher geglaubter Job auch nicht immer sicher!

    Ich kann ich nur in deiner Wahl bestärken, durch diese Konstellation kannst du doch eigentlich nicht viel verkehrt machen. Die Halbtagsstelle gibt die die nötige Sicherheit und du kannst die Selbständigkeit ohne größeres Risiko anlaufen lassen und sehen, wie es sich entwickeln wird. Vielleicht wirst du deren zeitlichen Umfang erhöhen, vielleicht wirst du irgendwann aber auch zurück zum Vollzeitjob. Wer weiß das jetzt schon? Du hast doch alle Optionen offen und nichts zu verlieren!

    Ich wünsche dir viel Erfolg und Spaß im neuen Job sowie alles Gute auf dem Weg in die Selbständigkeit!

    Liebe Grüße
    Katherina

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    1. Liebe Katherina,
      ich danke dir von Herzen für deine Worte! Das bedeutet mir so viel!
      Vielen lieben Dank :*

      Liebe Grüße
      Maria

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