Donnerstag, 24. Dezember 2015

Garfield - Mein Weihnachtswunder


Es war eine Woche vor Weihnachten im Jahr 2006. Damals war ich Studentin und wohnte noch bei meinen Eltern in einem Eckreihenhaus in einem Münchener Vorort. Als ich frühmorgens aufstand und meine Mutter suchte, fand ich sie im Wohnzimmer und dort war sie nicht allein. Auf dem Sofa neben ihr lag ein kleines rotes Kätzchen zusammengerollt auf einem weißen Laken.

Solange ich mich erinnern kann, hatten wir Katzen. Leider sind sie alle nicht sehr alt geworden. Entweder wurden sie überfahren oder sie verschwanden spurlos. Meine letzte Katze hatte ich 2004 nach längerem Suchen im Straßengraben in der Nähe unseres Hauses gefunden. So viele Tränen hatte ich geweint und ich konnte und wollte nicht mehr. Damals sagte ich meinen Eltern, dass wir keine "neue" Katze mehr holen sollen, dass ich das nicht mehr aushalte. Und dann war er plötzlich da, dieser kleine rote Kater. Die Ohren voller Milben, das Fell glanzlos und voller Flöhe und für seine Größe total unterernährt.
Meine Mutter war genauso überrascht wie ich. Sie wusste von nichts. Mein Papa hatte alles heimlich vorbereitet. Hatte ein Katzenklo gekauft und den kleinen Kater ganz ohne Vorwarnung einfach mit nach Hause gebracht. Und dazu den folgenden Brief:
"Hallo alle zusammen.
Anbei noch ein paar Infos zum Katerchen. Nach einer Fahrt auf der Autobahn mit 120 kmh zur Werkstätte wurde er dort in der Motorhaube total verschreckt gefunden. Die Autobesitzerin hat ihn wieder mitgenommen zu ihrem Wohnort und hat ihn wieder da ausgesetz, in der Hoffnung, er würde wieder heim finden. Dem war aber nicht so. Wochenlang suchte der Kleine eine Bleibe, aber niemand wollte ihn haben.
Soweit geht es ihm ganz gut gesundheitlich. Er wurde schon entwurmt. ein paar Dinge sind mir aber aufgefallen und müssten vom Tierarzt angeschaut werden.
Er muss noch geimpft werden. Das linke Auge läuft bisschen und er trinkt sehr sehr viel. Am liebsten Katzenmilch. Möglicherweise hat er sich eine Blasenentzündung geholt. Es liegt mir sehr am Herzen, dass dies ärztlich untersucht wird.
Nun etwas Positives. Er ist stubenrein. Raus in die Natur mag er gar nicht. Er hat bestimmt Angst, dass er wieder verstoßen wird. Der Arzt meinte, er soll mindestens 1 Woche gar nicht raus, bis er sich heimisch und sicher fühlt. Er liegt am liebsten auf der Couch, er schläft noch ganz viel und er ist sehr verschmust.
Ich wünsche euch viel Spaß bei der Namenssuche und ganz viel Freude mit dem süßen Kerl."

Die Frau, die diesen Brief geschrieben hat, habe ich nie kennengelernt. Sie kannte aber wohl den damaligen Chef von meinem Papa, der ihm davon erzählte und mein Papa wollte dem Katerchen schließlich ein neues Zuhause geben. So kam er aus Rosenheim zu uns nach Kirchseeon. Seinen Namen haben wir damals übrigens ziemlich schnell gefunden, denn als Kind war ich totaler Fan der Garfield-Comic-Hefte, also nannten wir ihn Garfield.  Eigentlich dachte mein Dad, dass Garfield "sein" Kater werden sollte, aber der Schmuser hat sich damals zum Glück nur für mich interessiert und ist mir nicht mehr von der Seite gewichen. Das war das schönste Weihnachtsgeschenk, dass ich mir vorstellen kann. Vom ersten Tag an, habe ich ihn in mein Herz geschlossen und seitdem sind wir beide unzertrennlich. Seit neun Jahren ist er mein bester Freund und meine Familie. Er ist immer für mich da und für jeden Blödsinn zu haben.

Als kleiner Kater sprang er mir auf Kommando in die Arme, heute springt er mir immerzu auf den Rücken und schmust mich ab. Früher spielte er stundenlang mit einem Tischtennisball in der Badewanne (↓ siehe das zweite Bild von links) und er liebt es auch heute noch, fangen zu spielen. Heute wie damals apportiert er immer gerne Spielzeuge, damals vor allem meine Haargummis. Und er hat seit jeher einen absolut unerklärlichen Faible für frische Brotwaren. Baguette, Brezen oder Semmeln; davon ist nichts vor ihm sicher. Erst gestern hat er wieder eine Tüte mit Semmeln erlegt.

Übrigens hatte die Verfasserin des Briefes ja darauf hingewiesen, dass Garfield vom Tierarzt untersucht werden sollte. Tatsächlich war ich in der Zeit, wo wir bei meinen Eltern wohnten ständig mit ihm beim Arzt. Anfangs um die Parasiten loszuwerden und wegen seinem tränenden Auge, welches leider chronisch ist. - Der Arzt schätze Garfield damals übrigens auf ein Alter von einem halben Jahr.  - Später, als Garfield dann rausging hatte er sich immer wieder irgendwo verletzt und er wurde vom Nachbarskater "verprügelt". Ein Mal hatte er sogar eine Vergiftung und hatte es mit viel Glück überlebt. An jedem Tag, an dem ich von der Uni heimkam hatte ich Angst, dass er überfahren worden sein könnte.

Als ich nach etwas über einem Jahr bei meinen Eltern auszog, war klar, dass Garfield mit mir kommt. Ich kann nicht ohne ihn und er, so glaube ich, auch nicht ohne mich. Und so ist Garfield mit mir schon drei Mal umgezogen und in unserer jetzigen Wohnung hat er richtig viel Platz zum toben.

Wer mir auf Instagram folgt, hat eventuell mitbekommen, dass mir vor zwei Wochen das Herz stehen geblieben ist, als Garfield aus dem 3. Stock aus dem Fenster gefallen ist. Dass diese Geschichte gut ausging und Garfield wieder rumtobt und Blödsinn macht, als wäre nie etwas gewesen, ist mein bestes Weihnachtsgeschenk in diesem Jahr. Garfield, Felix, der Herzmann und ich - alle vier zusammen und gesund. ❤️
Und falls sich jemand fragt, wie Felix ein Teil unserer kleinen Familie wurde, das erzähle ich gerne ein ander Mal.

Kommentare :

  1. Was für eine wundervolle Geschichte. Es ist einfach so, dass die meisten Tiere zu einem finden und nicht umgekehrt. Schön finde ich, dass es Garfield nach seinem Sturz wieder besser geht und er wohl beinahe wieder der Alte ist. Ich wünsche dir und deinen Liebsten ein wundervolles Weihnachtsfest.
    Liebe Grüsse Alizeti

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    1. Danke dir für deine Worte, liebe Alizeti! Ja, es geht ihm wieder super. Ich hatte so ein Glück :) Ich wünsch dir auch ein paar schöne Weihnachtsfeiertage!
      Liebe Grüße
      Maria

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